CLICK HERE FOR THOUSANDS OF FREE BLOGGER TEMPLATES »

Mittwoch, 2. Juni 2010

Mein letzter Schultag


Als ich mit 6 Jahren in die Schule kam, hatte ich keine Ahnung was mich erwartet und ehrlich gesagt, hatte ich Angst vor dem, was kommen würde.

Der Kindergarten war doch eine schöne Institution gewesen und ich hatte auch nicht verstanden, wieso ich jetzt zur Schule gehen sollte. Tatsächlich war die Grundschule auch nicht viel anders als der Kindergarten, mit dem kleinen Unterschied, dass ich nun mehr tun musste und nicht mehr mit Bauklötzen spielen durfte. Mir machte die Schule tatsächlich Spaß, was sich auch in den nächsten Jahren auch nicht mehr ändern sollte. Während dieser Zeit hat jeder von uns Erfahrungen gemacht, die er nicht mehr vergisst. Die erste Klassenreise, alleine ohne seine Eltern mit der ganzen Klasse irgendwo in die nähere Umgebung fahren. Das erste mal alleine Zuhause sein, während die Eltern weg sind. Eine ganze Woche schlafen, ohne in die Hose zu machen. In die Schule gehen, wo Menschen sind, die einem Fragen stellen die man beantworten muss. Ich weiß gar nicht mehr so genau, ob meine Angst vor der Schule, der Schule an sich galt oder ob ich einfach nur Angst hatte, aus meinem gewohnten Umfeld in ein neues zu kommen.

In der Grundschule war ich ein ziemlich guter Schüler gewesen, die Lehrer mochten mich und ich hatte immer einen Freund an meiner Seite und dachte auch nie, dass sich das ändern würde. Als kleiner Junge von zarten 10 Jahren kam ich dann auf das Gymnasium und hatte Angst vor dem, was kommen würde. Mit ungefähr 5 Schülern aus meiner Grundschule kamen wir auf das gleiche Gymnasium und waren plötzlich umgeben von fast 1000 anderen Menschen, alle größer und älter als man selber und man kam sich irgendwie ziemlich klein vor. Das riesige Schulgebäude mit seinen vielen Räumen, Gängen und der großen Pausenhalle, alle gefüllt mit älteren Mitschülern. Mich hat das ganze sehr beeindruckt und ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige gewesen bin, dem das ganze Angst eingeflößt hat, denn in den ersten 2 Jahren, hat sich niemand von uns getraut, alleine in den 1. Stock zu gehen, dorthin, wo die „Großen“ Unterricht hatten. Erst mit der 7. Klasse sollten einige von uns dieses Stockwerk zu Gesicht bekommen, einige wenige sahen es nie. Bereits in den ersten beiden Jahren sollten mir Menschen begegnen, die später wieder Teil meines Alltags werden sollten. Die Schule hatte sich für mich in den ersten beiden Jahren drastisch geändert. Plötzlich flog mir der Unterrichtsstoff nicht mehr so einfach entgegen und ich musste für meine Noten lernen, was am Anfang auch noch funktionierte. Ich erinnere mich noch genau, dass ich einen Freund hatte, und auch noch habe, der immer ein wenig schlechter in der Schule war als ich. Die erste Arbeit die wir geschrieben hatten, war eine Mathearbeit. Er hatte eine „1“ geschrieben und ich eine „4“. Ich hatte vorher nie eine 4 geschrieben. Die schlechteste Note, die ich jemals bekommen hatte, war eine „3“.


Mit der 7. Klasse sollte sich für mich vieles verändern. Wir hatten die „Aufnahmeprüfung: Unterstufe“ hinter uns gebracht und sollten nun eine „2. Fremdsprache“ lernen. Ich wählte Italienisch. Viele meiner Freunde nicht. Tatsächlich waren von den 24 jungen Schülern, die ich in der Grundschule kennengelernt hatte noch genau 2 übrig geblieben, darunter ich selber. In der 7. Klasse wurden die Klassen neu gemischt und ich wurde mit vielleicht 5 vertrauten Gesichtern in eine Klasse gesteckt. Meine schulischen Leistungen waren zwar ausreichend gewesen, um mich in die Mittelstufe zu versetzen, danach ließen meine Leistungen jedoch so stark nach, sodass ich ins Hintertreffen geriet. Hinzu kam, dass ich von lernen nicht viel gehalten habe und mich lieber mit meinen Nachbarn beschäftige, als im Unterricht aufzupassen. Nach einem Jahr hatte man sich eingelebt und neue Freundschaften waren entstanden. Für mich und den letzten übrig gebliebenen Legionär der Grundschule war dies jedoch nicht von Bedeutung. Wir beide wurden, einmal auf Wunsch und einmal gezwungenermaßen, nicht versetzt und wiederholten die 7. Klasse.


Wir kamen also erneut in eine neue Umgebung und in eine neue Klasse. Im nachhinein wohl das beste, was mir je passiert ist. Mein Freund und ich wurden nicht dafür ausgelacht, dass wir augenscheinlich zu doof gewesen waren, die 7. Klasse zu bestehen, auch weil einige wohl mit dem selben Gefühl in die Mittelstufe kamen, wie wir ein Jahr zuvor. Niemand, uns beide ausgenommen, wusste was kommen würde und man konnte sehen, dass einige ein mulmiges Gefühl im Magen hatten. Nach der 8. Klasse kam dann ein Zeitpunkt, der mich doch mehr beeinflusst hat, als mir in dem Moment vielleicht klar war und der mir auch erst später klar werden sollte. Mein Freund, wir nennen ihn aufgrund von Datenschutz jetzt einmal Paul, obwohl er Alex heißt, hatte im letzten Jahr erneut schlechte Leistungen gezeigt und wurde nicht versetzt. Er musste auf die Realschule gehen. So war ich in meiner Klasse der letzte übrig gebliebene aus der Grundschule und erneut noch einer von 2, die es überhaupt von damals an der Schule bis dahin geschafft haben. Wie es der Zufall wollte, nun wieder in einer Stufe.


Durch die komplette Mittelstufe hindurch waren meine Leistungen so knapp unter der Grenze, dass ich es bis zu meiner Realschulprüfung schaffte, auch dank eines Lehrers, der die Ausdauer und das Vertrauen in uns Schüler gesteckt hat und uns somit die Chance gab, den Weg bis zum Abitur zu gehen. Unsere Klasse war in den 4 Jahren zusammengewachsen und niemand wusste, wie es weiter gehen würde. Wir hatten alle Angst vor der Prüfung, ausgesprochen hatten es nur die wenigen und dem Rest konnte man es ansehen. Wir alle bestanden und kamen in die Oberstufe. Erneut wurden die Klassen, diesmal mit Hilfe der Klassensprecher, neu gemischt und zu unserem Glück sollte ich mich durchsetzen und 10 Leute aus der Mittelstufenklasse wurden zusammen in eine Klasse gesteckt. Wir bekamen neue Lehrer, einen neuen Klassenraum und endlich sollten auch wir den 2. Stock sehen. Unser neuer Klassenlehrer war ein junger Mann, gerade erst eingestellt, neu an der Schule und wir waren seine erste, eigene Klasse. Die 11. Klasse sollte für mich einen neuen Trend setzen. Meine Noten verbesserten sich langsam und die Schule viel mir wieder etwas leichter, obwohl ich nicht viel für die Schule tat. Im laufe des Jahres hatten wir den jungen Lehrer geformt und er uns. Wir hatten in den letzten 11 ( bzw. 12 Jahren in meinem Fall) viele Mitschüler kommen und gehen sehen und dieser Lehrer sagte zu uns: „Ihr alle werdet euch verändern. Menschen, mit denen ihr euch heute gut versteht, werden sich von euch entfernen und ihr euch von ihnen. Gute Freundschaften werden im Sande verlaufen und neue, feste Freundschaften werden sich formen. Ihr werdet es heute und morgen nicht verstehen, eines Tages jedoch, werdet ihr es!“ Mit diesen Worten entließ er uns in die letzten beiden Jahre und erneut trennten sich unsere Wege.


Die 10 Schüler aus der Mittelstufe schafften es erneut in einer Gruppe zu bleiben und steuerten nun dem Abitur entgegen. Meine Noten sollten sich weiter bessern und die Zeit verging relativ schnell. Umso näher die Abiturprüfungen rückten, desto nervöser wurde die Stimmung in der Oberstufe, zumal unsere Stufe nun aus 200 Schülern bestand, da das Acht- und Neunjährige Gymnasium eingeführt wurde. Uns so saßen 200 Schüler anfang Februar 2010 nicht nur vor ihren Abiturprüfungen, sondern auch vor der Frage „Was kommt danach?“. Diese Frage geisterte schon die letzten 2 Jahre durch die Köpfe vieler und einige hatten sich auch schon Pläne gemacht, welche sie verfolgten, welche zerstört wurden und wieder andere hatten keine Ahnung was sie tun sollten. Es wurde am Anfang des letzten Jahres ein roter Zettel ausgeteilt, auf dem der Ablauf der letzten Schultage stand. Das gab der ganzen Stufe ein Ziel. „Endlich raus aus der Schule!“. Ich sollte in meinen Kursen wieder Lehrer haben, die ich in der 5. und 6. Klasse hatte und die sich im Gegensatz zu mir, nicht verändert hatten.


Heute ist mein letzter Schultag gewesen und das fühlt sich merkwürdig irreal an. Ich habe heute meine Schulbücher abgegeben und bin durch die Pausenhalle aus dem Haupteingegangen, genauso, wie ich an meinem ersten Schultag in die Schule hinein gegangen bin. Die letzten 14 Jahre bin ich zur Schule gegangen, habe meine Hausaufgaben mehr oder weniger fleißig gemacht, bin jeden Morgen aufgestanden und bin zur Schule gefahren. Ich habe im Unterricht gesessen, habe einem Menschen angestarrt, der mir etwas beibringen sollte oder einfach nur aus dem Fenster geguckt und mir gewünscht, nicht dort sein zu müssen. Ich habe viele Menschen kennengelernt und jeden Tag wunderbare Freunde um mich herum gehabt, die mir geholfen haben, mit denen ich reden konnte und mit denen ich gelacht habe. Die unterschiedlichsten Gefühle verbinde ich mit dieser Schule. Ich habe Menschen dort weinen, lachen, trauern und feiern sehen. Viele Mitschüler, die mir in den letzten 14 Jahren über den Weg gelaufen sind, habe ich nie wieder gesehen. Doch obwohl ich in den nächsten Tage noch in die Schule muss, steht auf dem roten Zettel, der mir am Anfang des Jahres ausgeteilt wurde, steht unter dem „2.6.2010“ die Notiz „Letzter Schultag“, und somit geht für mich ein Lebensabschnitt zu Ende. Eine Ära meines Lebens neigt sich dem Ende und eine neue beginnt.


Als ich mit 20 Jahren aus der Schule kam, hatte ich keine Ahnung was mich erwartet und ehrlich gesagt, hatte ich Angst vor dem, was kommen würde.