Es gibt eine alles dominierende Spezies auf dieser Welt. Eine Spezies die Waffen besitzt, mit denen keine Armee der Welt aufwarten kann. So unberechenbar, dass selbst der erfahrenste Seefahrer die Gewässer in ihrer Nähe meidet. Sie kann Kriege anzetteln und verhindern, einem Mann alles nehmen oder alles geben. Die Rede ist von der Mutter.
Gut, ich habe vielleicht etwas übertrieben, aber so im groben habe ich doch schon recht. Eine Mutter ist etwas eigenes. Sie unterscheidet sich grundsätzlich von ihren Artverwandten, den Frauen. Während Frauen noch auf kleine Babys zustürmen wie eben diese auf einen Zuckerwattestand, bewahren Mütter erstmal Ruhe. Sie haben Lebenserfahrung. Kennen die Tücken der Natur, niemand kann ihnen etwas vor machen. Mütter schauen sich so ein Kind ersteinmal an. „Leicht verkrampftes Gesicht, windet sich ein wenig – das lass ich erstmal liegen.“ Sie haben die Gefahr erkannt. Eine Frau würde zu dem Baby hingehen, es angucken, hyperventilieren, ein lautes „ Ohhhhh...“ ausstoßen, es in den Arm nehmen und sich von dem Baby mit Magenverstimmung ankotzen lassen. Die Mutter hat das gewusst. Den Braten gerochen sozusagen.
Aus meiner Kindheit weiß ich, dass es immer schwerer war, etwas von der Mutter zu bekommen. Wollte ich ein Spielzeugauto haben, habe ich meistens versucht meinen Papa zu Fragen. Der hat dann gesagt: „ Auto? Männlich.Find ich gut!“ Bei der Mama war das immer etwas anderes. Die wollt auch noch einen Grund hören, wieso ich denn Bitteschön das 456 Spielzeugauto haben möchte und was denn an diesem Golf 3 Baujahr `94, Grüne Lackierung mit aufklappbarer Türen und Heckklappe so anders war als an dem Golf 3 Baujahr `96 mit hell gelber Lackierung und ebenfalls aufklappbarer Tür und Heckklappe? Die Antwort stand unten drauf. Ich als verwöhntes Kind hatte natürlich fast nur Siku Autos. Für alle die nicht wissen was Siku ist: Ein Siku-Spielzeugauto ist ein originalgetreues Abbild eines aktuellen Modells und somit der Rolls Royce unter den Spielzeugautos. Sozusagen das Lego unter den Bauklötzen. Das besondere an diesen Siku-Spielzeugautos war, dass auf der Unterseite dieser Autos viele technische Angaben zum Auto waren. Und auf diese habe ich mich dann auch meist berufen. „Mama, der hier ist gaaaaanz anders als mein gelber Golf. Erstens ist der hier Grün und nicht Gelb wie der andere. Das heißt der andere ist ein Taxi und zweitens hat der hier doch viel mehr PS weil das ein GTI ist, Mama. Ist doch looogisch!“ Ich glaube meine Mama hat mich immer durchschaut, trotzdem habe ich das Auto bekommen weil sie ganz genau wusste, dass ich das nächste mal einfach Papa fragen würde. Oder ich ein riesen Theater anstellen würde...
So habe ich mir glaube ich zwischen 1994 und 1999 jedes Siku-Spielzeugauto ergaunert welches es zu kaufen gab. Irgendwann war es soweit das die Firma Siku nicht mehr mit der Entwicklung neuer Autos hinterher kam. Das fand ich doof und ich habe mich den Computerspielen zugewendet.
Das schöne an dieser Kolumne ist, jeder kann sich damit identifizieren. Endlich mal ein Thema, bei dem jeder mitreden kann. Es geht nicht um Fußball oder Filme sondern mal um ein ernsteres Thema zu dem jeder etwas beitragen kann, denn wirklich jeder hat eine Mutter. Genauso sicher wie das Amen in der Kirche und wenn wir ehrlich sind, wie lieben sie doch irgendwie. In unserem Alter ist es zwar meistens so, dass sie uns pausenlos nerven, uns Arbeiten im Haushalt zuschanzen oder uns einfach nur eine Konversation aufdrängen wollen aber trotzdem muss man sie lieb haben. Denn nichts ist so gut wie bei Mutti. Alleine die Tatsache, dass mir das Essen bei meiner Mama immer am besten schmeckt ist ein Grund dafür das ich Recht habe. Sie wäscht meine Wäsche, macht meistens das Sauber was ich außerhalb meines Zimmers dreckig gemacht habe und alles was ich dafür tun muss ist Staubsaugen und Rasenmähen. Genau deswegen, weil ich weiß, dass mein Leben ohne sie wesentlich komplizierter und erheblich anstrengender wäre, habe ich ihr heute zum Muttertag ein bisschen was zurück gegeben. Ich habe Frühstück gemacht, ihr Blumen gekauft und ein kleine Präsent bersorgt. Nicht viel aber es zeigt, dass ich an sie gedacht habe. Und darauf kommt es an.
Deshalb nun stellvertretend für alle Töchter und Söhne auf dieser Welt:
Wir haben euch alle lieb, auch wenn wir das manchmal nicht immer zeigen.
Sonntag, 10. Mai 2009
Bei Mutti schmeckts am besten!
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1 Comments:
Grossartig! Wie Recht du doch hast. Und wiedermal super geschrieben ... habe wieder 2 mal lachen müssen ... echt super!
MfG
DAMO
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