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Freitag, 12. Juni 2009

Soziale Netzwerke sind nicht sozial!

Warum ich jetzt schreibe? Es ist 10:31 und ich bin in der Schule, trotzdem habe ich die Zeit meine Ko-lumne zu schreiben. Woran das liegt? Ich sitze im Computerraum aus reinster langeweile und in feinster Nerdmanier. Ich hätte auch nach Hause fahren können, schlafen, etwas essen vielleicht eine Runde Xbox spielen. Stattdessen sitze ich hier und surfe im Internet, klappere alle Sozialen Netzwerke ab, in denen es mich gibt, gucke ob es etwas neues gibt, beantworte Comments oder Nachrichten und informiere mich über die neuesten Geschehnisse.

„Social-networks“ sind eine tolle Erfindung. Wir können uns mit jedem Mitglied in Kontakt setzen, uns Bilder von Partys angucken und unsere Urlaube mit all unseren Freunden teilen. Facebook, SchülerVZ, Netlog und MySpace sind Seiten, auf denen die meisten Leute schon einmal waren. Man diskutiert zusammen über Filme, Musik oder den neuesten Klatsch und Tratsch. Ich kann dort auch Spiele spielen. Meine neuste Lieblingsbeschäftigung sind Facebook Eigenschaftstests. Ich finds toll mit möglichst sinnlosen Fragen herauszufinden, was ich für ein Mensch bin. Ernst nehmen sollte man diese allerdings nicht. Angeblich werde ich wegen Völlerei in die Hölle kommen und das Land welches am besten zu mir passt ist Brasilien. Ich war nie da aber es sieht bei Google Earth zumindest ganz nett aus. Ich bin damit einverstanden.

Ich war letztens beim Computerfachgeschäft meines Vertrauens und stand an der Kasse. Vor mir ein Herr mittle-ren Alters. Sein sozialer Status spielt in diesem Augenblick mal keine Rolle. Ich stehe also an der Kasse und warte darauf, dass der Herr bedient wird und bekomme einen Teil des Gespräches mit. Grundlegend sei gesagt, der Mann brachte ein Spiel zurück, welches am Computer ein Brettspiel simuliert. Sein Kritikgrund und damit Rückgabebegründung war die Tatsache, dass dieses Spiel nicht an einem Computer gespielt werden konnte, sondern nur über das Internet. Das Gespräch verlief in etwa wie folgt:

Mann: Hmm, okey. Haben sie denn ein anderes Brettspiel für den Computer welches ich mit meiner Frau an einem Gerät spielen kann?

Verkäufer:
Nein, ich denke nicht. [wendet sich an seinen Kollegen] Sag mal, kennst du ein Brettspiel für den Computer?

Verkäufer 2: Nein.. Es gibt „Risiko“, aber das ist schon sehr alt.

Verkäufer:
[zu dem Kunden]Ich fürchte solche Spiel werden kaum noch genutzt. Es gibt für soetwas gar keinen Markt mehr. Das hat vor ca. 10 Jahren aufgehört. Heute spielt man fast nur noch über das Internet.

Mann:
Das ist wirklich schade. Ich meine, es wird immer davon gesprochen, dass die Gesellschaft verödet. Wenn ich mit den Leuten über das Internet spiele, dann kann ich denen doch gar nicht mehr ins Auge schauen dabei. Das macht doch wirklich keinen Sinn. So kommt es doch zu einer totalen Verfremdung zwischen den Menschen. Ich möchte mit meiner Frau an einem Computer sitzen und spielen. Wenn wir in zwei verschiedenen Räumen sitzen, dann haben wir doch gar nichts mehr von einandern?!

Ich: Sie könnten ja auch einfach ein echtes Brettspiel benutzen!?


Während der Verkäufer sich ein grinsen verkneifen musste, schien der Herr von meiner doch recht simplen Frage etwas überfragt. Kurz danach verließ er das Geschäft. Doch war mir in diesem Moment klar geworden, wo das Problem war. Computer, speziell das Internet, bieten jedem Menschen die Chance, der zu sein, der man möchte.
Hier kann jeder sein, wer er will. Ich kann mich selber erstellen wie ich bin oder wie ich gerne sein möchte. Ich kann mich 20 cm größer machen oder mir eine Komplett neue Identität geben. Ich bin bei Facebook „Axel Steel“ und im SchülerVz „Karl-Peter Kruse“. Und niemand weiß wer ich wirklich bin. Man versinkt in einem Nebel aus wahrem und erfundenem. Eigentlich kann ich keinem mehr vertrauen. Alles was ich dort lesen oder sehe kann erfunden sein. Trotzdem erfreuen sich diese Sozialen Netzwerke im Internet größter Beliebtheit. MySpace zählt mehr als 120 Millionen Mitglieder. Das sind mehr MySpace Account Inhaber als in Deutschland und Polen zusammen Einwohner haben. Also sind mehr als 120 Millionen User potenzielle Lügner. Ok, dass ist vielleicht etwas sehr aus der der Luft gegriffen.

Dennoch stellt sich die Frage, was die Leute dazu treibt, möglicherweise nicht die Wahrheit über sich zu zeigen. Sich selbst als jemand besseren oder hübscheren darzustellen scheint zu einer Art Volkssport geworden zu sein. Nur überall auf der Welt. Sozusagen eine neu Weltsportart. Das neue Fußball. Aber wie kommt es dazu? Schämen sich die Menschen so für sich selber, dass sie einfach jemand anderes sein wollen. Einer persönlichkeit nacheifern, welche sie im Fernsehen oder einer Zeitschrift gesehen haben. Leidet denn wirklich die ganze Welt unter einem gewaltigen Minderwärtigkeitskomplex oder haben die Menschen durch die neuen Medien und deren Aktualität Angst etwas falsches zu machen oder einem Ideal nicht zu entsprechen?

Ich denke, wir sollten dazu stehen wer wir sind. Warum mich dafür schämen wer ich bin wenn es Menschen um mich herum gibt, die mich so akzeptieren wie ich bin. Warum sollte dies dann nicht auch der Rest der Welt. Teilt uns mit wer ihr seit. Erst so macht ein Soziales Netzwerk sinn. Doch sollte man im Hinterkopf behalten, dass alles was ihr schreibt, auch von jedem gelesen werden kann ( es sei denn, er wohnt in China). Die Kunst ist es, viel zu sagen und wenig preiszugeben!

1 Comments:

Anonym hat gesagt…

"Ich denke, wir sollten dazu stehen wer wir sind."

Da sagst es und daher schwimme ich mit dem neuen Trend Sozial Networking gar nicht mit. Ich brauch sowas nicht und Spass macht es mir auch nicht.

Ich spiele da lieber MMORPG´s. Die sind noch viel extremer :D

MfG
DAMO