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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Von Kühen und Reis


Ich, geboren in Cuxhaven, direkt an der Mündung der Elbe, hinterm Deich links, zwischen Schafen und Kühen wie das Kind Gottes persönlich, habe von Beginn an die Liebe zur Natur in die Wiege gelegt bekommen. Eins mit der Natur wandle ich nun, 19 Jahre später, durch Hamburg und erfreue mich an jedem Baum und jedem Hundehaufen in den ich trete, wenn ich mal wieder die Eiche um die Ecke umarme, denn schließlich ist auch dieser Natur. Als kleines Kind lernte ich früh von meinem Opa das Anpflanzen von Bäumen, Mohrüben, Kartoffeln und Erbsen. Ich habe schnell ein Händchen dafür entwickelt, was Pflanzen mir sagen wollen und meine Zimmerpflanze, Dr. Fritz, ist bis jetzt immernoch zufrieden mit meiner fürsorglichen Hand.

Gut, ganz so schlimm ist es nicht aber ich denke regelmäßig daran Dr. Fritz zu gießen und habe auch bereits sehr erfolgreich kleine Sätzlinge gezüchtet. Ich halte mich deshalb für sehr talentiert im Umgang mit Pflanzen und von anderer Seite wird mir dies auch bestätigt. Laut meinem Philosophielehrer stehen Natur und Technik in einem Gegensatz zueinander. Ich weiß nicht genau wie, da ich leider jedesmal nach 5 Minuten unter starken Kopfschmerzen leide wenn ich den Philosophieunterricht besuche und mich deshalb nur schwer auf den Unterricht konzentrieren kann. Einzig das Gespräch mit meinen Sitzachbarn und Co-Autoren verspricht Linderung. (Es sei dennoch erwähnt das meine Noten in einem „guten“ Bereich sind – kannst dich beruhigen, Mama). Trotz dieses Gegensatzes habe ich bewiesen, dass ich diese Hürde überwinden konnte und auch im Internet erfolgreiche Zucht betreiben kann.
Machen wir einen kurzen Zeitsprung. Es ist ungefähr 4 Wochen her, da habe ich begonnen ein lustiges Browsergame zu spielen, welches im Zusammenhang mit Facebook benutzt werden kann. Es heißt „Farmville“. Ich als kritischer Mensch und als Individuum, dass gerne mal den einen oder anderen Trend verpennt, habe natürlich wesentlich später damit begonnen, dieses Spiel zu spielen. Ich dachte mir zu beginn: „Das probierste‘ mal aus!“ Wir machen den nächsten Zeitsprung. Vor ca. 5 Tagen. In meinem Zimmer ist es dunkel. Eigentlich ist es gar nicht dunkel. Aber es kommt einem dunkel vor. Ich weiß nicht genau warum und setze ich an meinen Computer. Schaue mir zuerst den Bericht an, dass Bayern gestern verloren hat. Das freut mich. Ich surfe auf Facebook.com und begutachte die neuesten Entwicklungen, kommentiere ein paar Fotos und wie durch Zaubenhand ist auf einmal eine Farm auf dem Bildschirm erschienen. Schon nichtmehr bewusst habe Farmville gestartet. Vor 14 Stunden hatte ich Reis angepflanzt. Dieser ist mit einer Wachstumszeit von 12 Stunden nun zur Ernte bereit. Ich Klicke ziemlich genau 306 mal auf 306 Felder in denen Reispflanzen darauf warten, mir Geld in die Kassen zu spühlen. Danach wird 306 mal geklickt um das Feld umzugraben. Dazu habe ich mir einen Traktor gekauft. Damit geht das schneller. Ich muss also nur noch knapp 200 mal klicken. Eine Zeitersparnis die mich vorran bringt. Jetzt eine neue Pflanze säen. Am besten eine die nur wenig Stunden zum wachsen brauch, denn für’s Säen und Umgraben bekomme ich Erfahrungspunkte. Die lassen mich in der Rangliste nach oben steigen. Und ich bin gestiegen. Später als meine Freunde angefangen, spiele ich nun in der Oberliga mit. Ich habe sie alle überholt. Nunja, fast alle. Aber die wichtigsten. Jetzt gilt es, den Thron zu erklimmen. Und der Aufstieg will geplant sein. Eigentlich habe ich ein einfaches System. Möglichst viel Anbauen und möglichst wenig Zeit dafür brauchen.

Nach 4 Stunden geht alles wieder von Vorne los. Ich kann ungefähr 3 mal am Tag Ernten, was mir knapp 1500 Erfahrungspunkte am Tag bringt. Nebenbei pflücke ich Äpfel von den Bäumen oder Melke die Kühe, damit ich Geld bekomme, um meine Farm zu erweitern.

Der nächste Zeitsprung. In meinem Zimmer herrscht immernoch eine komische Stimmung. Ich habe letztens Vergessen meine Aloe Vera pflanzen zu ernten. Das bedeutet zusätzliche Arbeit und Geldverlust. Ich klicke lustlos auf die Felder. Ich bin immernoch auf dem Vormarsch. Schreite auf der Rangliste immerweiter nach Vorne. In 4 Stunden das selbe rumgeklicke noch einmal. Ich habe mir das Ziel gesetzt bis Level 30 zu spielen. Danach lasse ich meine Farm in Ruhe. Das Spiel macht keinen Spaß mehr. Die Stimmung ist einfach nicht mehr da. Es ist irgendwie noch ein wenig dunkler als noch vor ein paar Tagen. Ich schau mich in meinem Zimmer um und erblicke Dr. Fritz. Er schaut mich traurig an. Seine Blätter hängen schlaff herunter. Er hat seit gut 2 Wochen keinen Tropfen Wasser mehr abbekommen. Ich hole eine Gießkanne und spende Dr. Fritz neue Lebensenergie. Ich höre wie seine Wurzeln das Wasser aufsaugen und kann beinahe ein kurzes „Danke“ vernehmen. Ich lächel in mich herein und schaue aus dem Fenster. Es ist Finster. Trotzdem kommt es mir ein kleines bisschen heller in meinem Zimmer vor.

1 Comments:

PastryHeart hat gesagt…

kleiner Landjunge :)